Autismus-Spektrum-Störungen
Was versteht man unter Autismus-Spektrum-Störungen?
Zu den Autismus-Spektrum-Störungen gehören im ICD-10 folgende tiefgreifende Entwicklungsstörungen:
- frühkindlicher Autismus (auch Kanner-Syndrom genannt)
- atypischer Autismus
- Asperger-Syndrom (oft synonym mit hochfunktionalem Autismus verwendet)
Im ICD-11 entfallen diese Begrifflichkeiten. Es wird von einer Autismus-Spektrum-Störung
gesprochen, deren Ausprägung auf unterschiedlichen Ebenen definiert wird. Nach Zeidan et al. (2022) sind in
Europa zwischen 0,24 und 2,68% aller Menschen hiervon betroffen. Die mediane Prävalenz liegt bei ca. 1%.
Zu den Auffälligkeiten zählen qualitative Beeinträchtigungen in den Bereichen:
- soziale Interaktion und Kommunikation
- Verhaltens- und Interessensrepertoire
- und ungewöhnliche sensorische Empfindlichkeit
Das bedeutet, dass Betroffene z.B. folgende Schwierigkeiten haben: Kontakte angemessen aufnehmen oder aufrechterhalten, eine eigenwillige Kontaktgestaltung, auffälliger Blickkontakt (starrer oder fehlender Blickkontakt), Defizite beim Verständnis und Einsatz von Gestik und Mimik (bis zu fehlender Mimik und Gestik), exzessives Haften an Routinen, beschränkte Interessen und Aktivitäten sowie Über- oder Untersensibilität gegenüber unterschiedlichen Reizen. Typisch sind auch unspezifische Probleme wie Ängste, Schlaf- und Essstörungen, Wutausbrüche oder (Auto-) Aggression. Die Ausprägung der persönlichen Schwierigkeiten kann individuell sehr unterschiedlich sein und von der intellektuellen Begabung und damit einhergehenden Kompensations- und Maskierungsfähigkeiten abhängen. Die Grenzen innerhalb des Spektrums und die zur sogenannten Normalität, die auch als „neurotypisch“ im Gegensatz zur Neurodiversität bezeichnet wird, verlaufen fließend.
Autismus-Spektrum-Störungen zeigen einen lebenslangen Verlauf und machen sich in der Regel schon in der frühen Kindheit bemerkbar, spätestens jedoch mit wachsender Herausforderung.